Ein Liebesbrief an die Nolan Brüder

Ein Liebesbrief an die Nolan Brüder

Wer mich kennt weiß, dass ich ein riesen Filmfan bin. Anfangs dachte ich das Quentin Tarantino der beste Regisseur der letzten Jahre ist, bis ich Christopher Nolan entdeckt habe. Dann dachte ich das Tarantino der beste Drehbuchautor unserer Zeit ist, bis ich Jonathan Nolan entdeckt habe.

 

Für die Leute die jetzt gar nicht wissen wer das alles ist: Christopher Nolan ist mittlerweile vielleicht einer der bekanntesten Regisseure unserer Zeit. Von Filmen wie The Dark Knight, Inception, Interstellar oder Dunkirk, hat wahrscheinlich jeder schon Mal gehört. 

Jonathan Nolan, sein jüngerer Bruder, ist weniger bekannt aber nicht weniger talentiert. Er ist der Drehbuchautor von vielen Filmen seines Bruders und hat neben der Fernsehserie „Person of Interest“ die aktuelle Hit-Serie von HBO „Westworld“ geschrieben, produziert und sogar bei zwei Folgen Regie geführt. 

Aber wieso sind die beiden jetzt so besonders? Und wieso werden sie in meiner Biographie ein eigenes Kapitel bekommen?

Ich fange mit Christopher an, von dem ich weiß, dass die meisten meiner Leser schon mindestens einen seiner Filme gesehen haben. Der erste Nolan Film den ich jemals gesehen habe, ist soweit ich mich richtig erinnern kann Batman Begins. Ein Film dem wir es zum Teil zu verdanken haben, dass heute gefühlt jede Woche ein neuer Marvel oder DC Film in den Kinos anläuft. Damals wusste ich jedoch nichts von Regisseuren und der Kunst, die hinter dem Film steckt. Ich sah nur einen düsteren Superhelden Film, indem mein Lieblingssuperheld die Bösewichte verprügelt. Drei Jahre später dann das Erwachen, ich lieh mir in der Videothek eine Blu-Ray aus um zu gucken ob der Unterschied zwischen DVD und Blu-Ray überhaupt bemerkbar ist. Meine Wahl fiel auf den neusten Nolan Film: The Dark Knight, welcher bis heute mein absoluter Lieblingsfilm ist. Eine interessante und neue Geschichte, geniale Schauspieler und ein zeitloser Soundtrack von Hans Zimmer. Nolan war mir von dort an ein Begriff und ich begann alle seiner Filme zu gucken, die es damals zu gucken gab. Als Inception in die Kinos kam und meine erste Chance einen Nolan Film auf der Leinwand zu sehen direkt vor mir war, ließ ich sie jedoch entgehen. Danke nochmal an meine Mutter, die mir meine ganze Kindheit erzählt hat, dass sie Leonardo DiCaprio nicht mag und ich deshalb keine Lust auf den Film habe. Ja Mama, diese Geschichte werde ich auch meinen Kindern und meinen Enkelkindern erzählen. Hab dich trotzdem lieb!

 

Als der Film dann endlich auf Blu-Ray rauskam und mein guter Freund Lukas ihn mit mir geguckt hat, war das in etwa so als würde man sein ganzes Leben lang nur Vanille Eis essen und erst mit 25 Jahren begreifen, dass es noch andere, viel bessere Eissorten gibt. Ich war so begeistert von der Struktur dieses Filmes! Wer den Film nicht kennt sollte jetzt vielleicht etwas weiter nach unten scrollen, denn ich schreibe nun darüber wieso er so genial.

Spoiler-Warnung.

Inception ist eigentlich ein klassischer „Heist-Movie“, ein Film in dem eine Gruppe Verbrecher etwas stehlen müssen. Doch anders als in Oceans 11 oder The Town muss die von DiCaprio angeführte Gangstertruppe keine Bank überfallen, sondern in den Verstand eines CEO’s um sein Unterbewusstsein zu beeinflussen. Das erreichen sie dadurch, dass sie in seine Träume gehen und dort einen falschen Gedanken platzieren, welcher die Zukunft seines Unternehmens drastisch verändern wird. Und es geht noch weiter, die Verbrecher arbeiten sich von Traum zu Traum und gehen jedes Mal eine Ebene tiefer. Ein Traum in einem Traum in einem Traum also. Nicht nur das die Prämisse ziemlich verwirrend und komplex ist, der Weg zum Ziel ist es genauso. Wieder einmal mit einem mehr als genialen Soundtrack von Hans Zimmer, welcher in 100 Jahren nicht weniger berühmt sein wird als Mozarts Werke es heute sind, erzeugt Nolan einen spannenden und atmosphärischen Film, der universell von fast jedem Zuschauer für sehr gut befunden wurde. Außerdem demonstriert Nolan in diesem Film wie es auch heutzutage noch möglich ist, ohne Computereffekte, tolle Spezial Effekte zu zaubern. 

Der Film an sich wird von einigen Leuten sogar als Metapher für den Prozess des Filmemachens benutzt. Dem stimme ich absolut zu! Es gibt den Regisseur der alles koordiniert, die Crew anheuert, den Drehbuchautor, der alles plant, die Schauspieler, die in verschiedene Rollen schlüpfen um ihr Ziel zu täuschen und am Ende kommt der Regisseur nach dem fertigen Projekt nach Hause zu seiner Familie.

Nach Inception beginn für mich das lange warten. Ich sah Inception 2010 und sein nächster Film, das Finale seiner Batman Trilogie, The Dark Knight Rises wurde für 2012 angekündigt. Zwei Jahre auf einen Film warten war für mich als 15-jähriger alles andere als einfach. Ich habe jeden Trailer bestimmt 100 Mal gesehen und habe die Tage gezählt bis ich endlich ins Kino konnte. Zwar war The Dark Knight Rises nicht annährend so gut wie sein Vorgänger, aber trotzdem hatte ich eine Menge Spaß. Aber mit dem Ende des Abspannes begannen wieder zwei weitere Jahre des Wartens. 
Sein nächster Film sollte ein Science-Fiction Film werden, in dem es darum geht, dass die Menschheit die Erde verlassen muss, weil es keine Nahrung mehr gibt. Ein Team von Wissenschaftlern fliegt mit einem Raumschiff durch ein Wurmloch um neue Planeten für die Menschheit zu suchen. 

Für mich klang das alles nach dem neuen Star Wars. Große Bilder mit tollen Computer Effekten und toller Musik. Aber ich bekam nichts dergleichen. Was ich bekam, war ein emotionales Weltraumabenteuer mit noch größeren Bildern (dank IMAX Kameras), tollen Spezial-Effekten (ohne Computer) und noch besserer Musik (wieder einmal Hans Zimmer). Es ging im Groben um die Geschichte die ich vorhin erklärt habe, im Kern aber eigentlich nur um einen Vater, der wieder zu seiner Familie zurückwill und ihnen ein besseres Leben schenken will. Was den Film aber von allen anderen Science-Fiction Filmen absetzt ist die Tatsache, dass fast komplett auf Computer Generierte Bilder (CGI) verzichtet wurde. Alles was man sieht wurde wirklich gebaut. Jedes Raumschiff und jede Kulisse. Die für mich perfekte Sequenz auf dem Eis Planeten mit ihrem Klimax bei der Docking Szene bringt mir immer noch jedes Mal Gänsehaut.

Die Szene ist auf so vielen Ebenen genial. Als erstes durch die Optik, vielleicht habt ihr gemerkt, dass in dem Video die schwarzen Balken am oberen und unteren Bildschirmrand fehlen. Das liegt daran, dass die komplette Sequenz auf IMAX Kameras gedreht wurde, was das Bild sichtbar vergrößert hat. Am Anfang der Szene wird die Raumstation zerstört und beginnt sich immer schneller in Richtung des Planeten zu drehen. Unsere Protagonisten stehen nun vor einer ausweglosen Situation. Als ich die Szene das erste Mal sah, war ich mir sicher die Raumstation nie wieder zu sehen. Der Protagonist trifft nun aber eine Entscheidung, er braucht die Station um wieder nach Hause zu seinen Kindern zu kommen und riskiert jetzt nicht nur sein Leben, sondern auch das Leben von Dr. Brand. Er steuert auf die Station zu, dreht sein Raumschiff so schnell wie die Station und dockt an. Aber dadurch, dass sowohl die Station als auch das Raumschiff keine Animationen sind, sondern echte Gegenstände, wirkt alles auch viel echter. Das Licht auf der drehenden Station sieht einfach so toll aus! Ein weiterer Punkt wieso diese Szene so toll ist, ist der klang. Alles Wackelt und man kann hören unter wie viel Druck alles steht. Und dann kommt noch der Soundtrack von Hans Zimmer, an den glaube ich der nächste Liebesbrief adressiert wird.

Aber wie bei The Dark Knight Rises begann nach dem Abspann von Interstellar wieder das lange warten. Dieses Mal auf einen Kriegsfilm aus dem 2. Weltkrieg, basierend auf der Evakuierung von Dünkirchen.

Der Film wird aus drei verschiedenen Perspektiven in drei unterschiedlichen Zeitformaten erzählt. Eine Perspektive ist die der Soldaten auf dem Strand, welche sich über sieben Tage entwickelt. Eine von den Seeleuten, welche nach Dünkirchen fahren um die Soldaten zu retten welche innerhalb eines Tage passiert. Und die eines Piloten der Britischen Luftwaffe, welcher eine Stunde lang versucht die Nazis davon abzuhalten, die Soldaten auf dem Boden und im Wasser zu bombardieren. Die drei Geschichten spielen unabhängig voneinander, kollidieren jedoch am Höhepunkt und erzeugen einen Film der von Sekunde eins bis zum Abspann spannender nicht sein könnte. Außerdem verzichtet Nolan auch dieses mal wieder so weit es geht auf Computer Effekte. Alle Schiffe und Flugzeuge in diesem Film sind echt! Es wurden sogar alte Kriegsschiffe aus dem 2. Weltkrieg restauriert um ein möglichst authentisches Bild zu erschaffen. 

Ich könnte jetzt noch über Christopher Nolans genialen Debütfilm „Memento“ schreiben, welche die lineare Story Struktur komplett über den Haufen wirft und alles wild durcheinander erzählt, oder The Prestige, in dem Christian Bale und Huge Jackman sich gegenseitig an die Wand schauspielern. Doch das würde den Rahmen sprengen, da ich auch noch über seinen jüngeren Bruder schreiben möchte. 

Jonathan Nolan lieferte mit seiner Kurzgeschichte Memento Mori die Vorlage für Christophers ersten Kinofilm und hat seitdem noch einige weitere Male mit seinem großen Bruder zusammengearbeitet. Er schrieb mit seinem Bruder das Drehbuch zu Interstellar, The Dark Knight und einigen anderen Filmen. Vor meiner Recherche war mir gar nicht bewusst, dass er die TV Serie Person of Interest geschrieben hat, welche ich zwar nie gesehen habe, aber in Deutschland lange im Fernsehen lief. 

Richtig aufgefallen ist mir Jonathan allerdings erst, als ich von einer neuen HBO Serie hörte, die als „Game of Thrones“ Nachfolger gehandelt wurde. 

Westworld basiert auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahre 1973 und handelt auf der Oberfläche von einem Freizeitpark. In diesem Freizeitpark kann man in den Wilden Westen zurückkehren und mit künstlichen Menschen, oder in der Serie „Hosts“ genannt, machen was man will. Es gibt keine Grenzen. Die Hosts können die Menschen nicht verletzen und sind wie in Videospielen darauf programmiert bestimmte Geschichten zu erzählen. Wie es in Filmen oder Serien über künstliche Intelligenz aber so üblich ist, entwickeln sie bald ihr eigenes Bewusstsein und wenden sich gegen ihre Erbauer. 

Was Westworld hier aber anders macht als der Originalfilm, welcher übrigens von dem gleichen Autor kommt der auch die Vorlage zu Jurassic Park geschrieben hat, ist die Frage nach Realität, Ethik und einem Sinn. 

Nolan und seine Frau haben eine Welt geschaffen, in einer nicht weit entfernten Zukunft liegt. In der die Menschen auf der Suche nach Unsterblichkeit sind, in der jeder alles weiß, in der wir eine Spezies erschaffen haben um unser Leben zu erleichtern. 

Ich habe diese Woche die zweite Staffel zu Ende geguckt und bin immer noch total kaputt und verwirrt. Man stellt sich regelmäßig die Frage ob man vielleicht selber nur erschaffen wurde um einer vorgegebenen Story zu folgen, was Freiheit überhaupt bedeutet und wieso wir jetzt hier sind wo wir sind.

Westworld ist mit Abstand meine Lieblingsserie der letzten Jahre. Es wurde als Game of Thrones Ersatz beworben, für mich ist es der Fantasy Serie in vielen Ebenen überlegen. Die dritte Staffel wurde bereits von HBO bestellt und ich habe keine Ahnung wie es weiter gehen soll. Laut Nolan haben sie bereits das Ende der Serie geschrieben und ich kann kaum erwarten wie sich das Westworld Puzzle in den nächsten Jahren zusammensetzt. 

Für mich ist nun also wieder warten angesagt. Der neue Christopher Nolan Film ist noch nicht angekündigt und wird wahrscheinlich wieder 2-3 Jahre auf sich warten lassen. Westworld hat mit der Produktion der neuen Staffel ebenfalls noch nicht offiziell begonnen was darauf schließen lässt, dass es noch mindestens bis 2020 dauert, bis ich weiß ob die Androiden die Menschheit vernichten.

Ich hoffe ich konnte zumindest etwas erklären wieso ich sowohl Christopher als auch Jonathan Nolan so sehr bewundere und sie ganz weit oben auf meiner Liste von inspirierenden Filmemachen stehen.

Fast Halbzeit

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