Tag 25: Menschen

Tag 25: Menschen

Nach fast einem Monat habe ich natürlich schon einige neue Leute kennengelernt. Es ist fast so, als würde allein die Tatsache, dass ich aus Deutschland komme, mein Leben hier etwas erleichtern.

Bereits zwei Mal wurde ich von älteren Koreanern auf Essen und Getränke eingeladen, einfach nur, weil sie es interessant finden wer ich bin, woher ich komme und was ich mache. Für mich war es ebenfalls sehr interessant, da die meisten Leute die ich kenne eher in meinem Alter sind und sich die Kultur natürlich auch im Alter etwas unterscheidet. Alles in allem kann man aber sagen, das Koreaner sehr sehr lieb sind!

Jedoch gab es eine Situation die mich wirklich krankgemacht hat. Am Montag hatte die Managerin meines Wohnheimes ihre Familie aus den Philippinen zu besuch. Sie haben mich ebenfalls zum essen und zu Whiskey eingeladen. Als ich dann am CU (Mini Supermarkt, welche überall an der Straße stehen) Nachschub holen wollte bemerkte ich, dass auf der Straße eine Frau saß. Sie hat laut geschrien: „Wieso? Du Arschloch!“. Sie war offensichtlich betrunken und wahrscheinlich gerade von ihrem Freund verlassen oder verletzt worden. Soweit ich das sehen konnte aber nur auf einer emotionalen Ebene. Ich wusste nicht was ich machen soll. Mit meinen Koreanisch Kenntnissen hätte ich wahrscheinlich nicht sagen können das ich ihr gerne helfen würde. Ich bin also zu jungen Männern gegangen die in der nähe war und habe sie gefragt ob sowas normal ist und sich vielleicht jemand um die junge Dame kümmern kann. Die jungen Männer sagten mir, dass sie es machen und so ging ich weiter um Bier zu kaufen.

Allerdings ist alles was die jungen Männer gemacht haben kurz zu lachen und sich dann ebenfalls ein Bier zu holen. Als ich aus dem Laden kam saß die Frau also immer noch weinend auf der Straße, ohne das ihr irgendjemand helfen wollte. Zum Glück kam genau in diesem Moment meine Mitbewohnerin aus Frankreich nach unten, welche wohl das Laute schreien der jungen Koreanerin gehört haben muss. Wir sind zusammen zu der jungen Dame gegangen, haben ihre Tasche wieder eingeräumt, ihr aufgeholfen und sie zu einem Taxi gebracht.

Es macht mich bis heute krank, dass sich niemand dafür interessiert hat! Selbst nachdem ich explizit danach gefragt habe ob jemand anderes helfen kann, weil ich einfach überfordert war und mir im leicht angetrunkenen Zustand nicht zugetraut habe koreanisch zu sprechen, war alles was diese Männer gemacht haben über sie zu lachen und sich weiter zu betrinken.

Ich will nicht sagen das ich optimal gehandelt habe aber so wie ich das verstanden habe, habe ich schon mehr gemacht als hier üblich ist. Aber das man einfach darüber lacht und weg geht hat mich sehr schockiert und ich denke das viele von euch nicht anders reagiert hätten.

Ich denke solche Situationen gibt es überall auf der Welt, doch so etwas habe ich noch nie erlebt. Jeder Koreaner den ich bisher getroffen habe war unglaublich nett und freundlich zu mir! Ich hoffe das so was, was ich gesehen habe ein Einzelfall war.

 

Weiteres kurzes Update: Das Video zum C-Festival kommt wahrscheinlich nach dem Wochenende. Ich hatte bisher keine Zeit zu schneiden und habe auch nicht viel mehr gefilmt.

 

Bis auf den Zwischenfall am Montag ist hier aber alles sehr sehr gut! Das Essen ist toll und ich habe nette Freunde gefunden.

Liebe Grüße nach Deutschland und bis zum nächsten Mal!

Festivals in Seoul

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Tag 20: Festivals und Freunde

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